Vom Kraftwerk zum Gemeindezentrum
Umbau in Manresa von Meritxell Inaraja
Manresa liegt rund eine Stunde nordwestlich von Barcelona. Ähnlich wie das nahe Terrassa gilt die Stadt als eine Art katalanisches Manchester, seit die Region im 19. Jahrhundert vorwiegend mit Textilfabriken zu einem Zentrum der Industrialisierung wurde. Dementsprechend früh begann man hier schon mit der Nutzung von elektrischem Strom. In Manresa zeugt davon noch heute ein beeindruckendes Bauwerk am Rande des historischen Zentrums: ein Kraftwerk namens Anònima Manresana, gestaltet von Ignasi Oms i Ponsa. Im vergangenen Jahr wurde das Kraftwerk von der Architektin Meritxell Inaraja, deren Büro sich in Barcelona befindet, zum multifunktional genutzten städtischen Zentrum transformiert.
Die prominente Lage des Kraftwerks mitten in der Stadt resultierte aus den üblichen infrastrukturellen Abwägungen. Einerseits erlaubte sie dank eines nahen Flusses eine einfache Versorgung mit Kohle und Kühlwasser, andererseits befanden sich die Abnehmer – neben Fabriken in der Peripherie auch öffentliche Bauten und die großen Bürgerhäuser der Innenstadt – in überschaubarer Entfernung. Das war nicht unwichtig, gingen die frühen Gleichstrom-Netze doch noch mit großen Verlusten einher. Viele der teils glanzvollen Wohnhäuser stammen übrigens ebenfalls von Ignasi Oms i Ponsa. Als zeitweiliger Stadtarchitekt hinterließ er in Manresa überall seine Spuren.
Inaraja und ihr Team beschreiben ihre Intervention als eine Art der Veredelung, wie man sie aus dem Obstanbau kennt. Auf eine Trägerpflanze wird dabei eine andere Sorte aufgepfropft. In Manresa beziehen sich die Architekt*innen allerdings auf das Neue, das aus dem Alten herauswachsen soll. Konkret sind damit verschiedene technische und ästhetische Ergänzungen gemeint. So finden sich fein eingefügte Treppenräume, offen verlegte Installationen oder neue klimatische Raumabschlüsse.
In räumlicher Hinsicht wurde der ursprüngliche Bau zunächst von späteren Schichten befreit und so im Sinne der originalen Gestaltung monumentalisiert. Darüber hinaus richteten die Architekt*innen den straßenseitige Gebäudeteil für eine Büronutzung durch die Stadtverwaltung her, während der Hof nun als Erschließung für die Maschinenhalle und den früheren Kohlenbunker im Untergeschoss dient. Die Halle selbst wurde hingegen nur gesichert – wie bisher bleibt sie auch künftig als flexibel nutzbarer Raum primär für kulturelle Veranstaltungen erhalten. (sb)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur:
- Meritxell Inaraja
- Mitarbeit:
- Josep M Cubi I Surinyach, Amàlia Casals Gil, Laura Bigas Montaner, José Amor
- Weitere Beteiligte:
- Ardèvols Consultors Associats, AIA Salazar-Navarro, BisMep Systems, Eskubi-Turró Arquitectes
- Bauherrschaft:
- Ajuntament de Manresa
- Fläche:
- 2.630 m²




