Wohnen über dem Hauptpostamt
Hochhaus in Rotterdam von ODA
In die Rotterdamer Skyline reiht sich eine neue Dominante ein. Mit 155 Metern Höhe gehört POST nun zu den höchsten Gebäuden der Stadt. Anders als die meisten Hochhäuser dockt der Neubau unmittelbar an eines der historisch bedeutendsten Gebäude der Stadt an: das denkmalgeschützte Hauptpostamt von 1923. Dieses wird im Zuge des Projekts saniert und umgebaut. Für die Planung des Turms ist ODA aus New York verantwortlich, Braaksma & Roos aus Den Haag begleiten als Denkmalarchitekt*innen die Transformation des Bestands.
Das von Gustav Cornelis Bremer entworfene Hauptpostamt liegt an der Coolsingel im Zentrum Rotterdams, ziemlich genau auf halbem Weg zwischen Hauptbahnhof und Markthalle. Es gehört zu den wenigen Großbauten, die die Bombardierung der Stadt 1940 überstanden. Vier Flügel umfassen eine monumentale, 22,5 Meter hohe Halle mit gewölbtem Dach. 2016 erwarb die Omnam Group das lange leerstehende Gebäude und lobte noch im selben Jahr einen internationalen Wettbewerb für seine Transformation und Erweiterung aus. ODA setzten sich mit ihrem Konzept dabei unter anderem gegen BIG und Studio Libeskind durch.
Das Gesamtprojekt besteht im Wesentlichen aus zwei Teilen: die Umnutzung des historischen Postamts und das Wohnhochhaus. Für dessen Bau wurde der sogenannte Rodezand-Flügel, ein später hinzugefügter Teil auf der rückwärtigen Ostseite des Ensembles, zurückgebaut. An seiner Stelle entstand im ehemaligen Expeditionshof der 155 Meter hohe Turm. Während die repräsentative Fassade an der westlichen Hauptstraße unangetastet bleibt, greifen die Planer*innen an der Rückseite also massiv ein. Direkt gegenüber steht das Timmerhuis von OMA.
Das Gesamtprojekt umfasst rund 60.000 Quadratmeter Bruttogrundfläche, 39.000 davon im Hochhaus. Auf dessen 43 Geschossen verteilen sich insgesamt 305 Wohnungen. In den Etagen 5 bis 22 liegen 203 Mietwohnungen, die 2027 übergeben werden soll, darüber 102 Eigentumswohnungen. Die beiden obersten Geschosse sind für Penthäuser vorgesehen.
Aus der Ferne hebt sich die Fassade des Neubaus von den glatteren Hochhäusern der Rotterdamer Innenstadt ab. Sie orientiere sich am historischen Fünf-Meter-Raster des Postamts und soll dessen Rhythmus in eine plastische Struktur übersetzen, so die Architekt*innen. Eine zweite Haut aus vorgefertigten, glasfaserverstärkten Betonelementen formt versetzt angeordnete Bögen und markante Vertikalen. Dahinter liegt eine Aluminium-Vorhangfassade. Die Bögen verstehen ODA als Referenz an die Architektur der großen Halle.
Über den ehemaligen Expeditionshof erhebt sich der Neubau mit einer rund 18 Meter hohen Tragstruktur. Der darunter entstehende Raum soll die bislang eher geschlossene Rückseite öffnen und ein Pendant zur großen Halle nebenan bilden, die das Herzstück des Ensembles bleibt. Wo einst die Kundschaft der Post Briefe und Pakete aufgab, soll künftig ein öffentlicher Raum entstehen, der von Einzelhandel, Galerien und Gastronomie gesäumt wird. In den oberen Geschossen, wo sich früher Telegrafie- und Telefondienste befanden, entsteht ein Fünf-Sterne-Hotel der Kette Kimpton mit 238 Zimmern.
Es war übrigens nicht der erste Versuch, das Baudenkmal umzubauen. 2007 wurde das Hauptpostamt geschlossen und vom niederländischen Telekommunikations- und IT-Konzern KPN an ein Konsortium aus Projektentwicklern verkauft. Dieses lobte einen Wettbewerb aus, den UNStudio gewann. Ihr Konzept sah einen noch stärkeren Eingriff vor, der das Postamt in eine Luxusmall mit angeschlossenem Hotelturm transformieren sollte. Die Pläne kamen jedoch zum Erliegen. 2016 ging das Gebäude schließlich an die heutige Eigentümerin. (gk)
- Fertigstellung:
- 2025
- Architektur (Gesamtkonzept und Hochhaus):
- ODA
- Denkmalarchitektur:
- Braaksma & Roos Architectenbureau
- Lokale Projektarchitektur Hochhaus:
- abt
- Bauherrschaft:
- Omnam Group
- Fläche:
- 39.000 m² Bruttogrundfläche (nur Hochhaus)









Hier also wird das Bild, sich im großen Haus trotz vieler Wohnungen distinguiert und individuell zu wähnen, mit atektonischem und sogar sphärischem Gewölbeimitat versucht; wohlweislich vorsichtshalber ohne Innenansicht dieser Mogelpackungen. Sekundäre Strukturmerkmale kulminieren in schnöder Kunstgewerblichkeit.
Ja, klar, die Kubatur wirkt schlank und elegant und die Fassaden geben dem Licht Spielraum …
Aber wie sangen die Barden einst so schön? …
Das darf doch alles nicht wahr sein.
Bei einer Wohnung dieser Größe und Preisklasse erwarte ich doch wenigstens einen vernünftig integrierten Einbauschrank oder eine separate Garderobe...