Spiegelbild mit Eigenheiten
Bildungshaus von Bez+Kock in Rottenburg am Neckar
Rottenburg am Neckar besitzt seit Anfang des Jahres ein neues Bildungshaus. Entworfen haben das Gebäude Bez+Kock Architekten aus dem nahe gelegenen Stuttgart. Rottenburg liegt im Landkreis Tübingen, rund 50 Kilometer südwestlich der baden-württembergischen Landeshauptstadt. Der Auftrag ging aus einem VgV-Verfahren hervor, bei dem die Architekt*innen den 1. Rang belegten.
Das Projekt, das Volkshochschule, Musikschule und Kita umfasst, setzt sich aus einem Bestands- sowie einem Neubau zusammen. Am Rand der Altstadt gelegen, galt es zunächst, ein denkmalgeschütztes Schulhaus von 1887 zu sanieren. Im Zuge der Maßnahmen erhielt das historische Gebäude außerdem einen zeitgenössischen Zwilling. Und dieser Begriff ist hier keineswegs nur leere Metapher. Beide Bauten ähneln sich nicht nur hinsichtlich ihrer Proportionen, auch ihre Grundriss sind nahezu identisch. In die unteren Geschosse des Neubaus zog die Kita ein, darüber folgt die Musikschule.
In seiner Materialisierung geht der moderne Zwilling eigene Wege. Dem Natursteinsockel des Bestands wurde in der Interpretation ein brettergeschalter Dämmbetonsockel. Und die ockerfarbene Fassade hat sich in einen cremefarbenen Kratzputz verwandelt. Spielerisch abstrahiert wurde darüber hinaus die Geometrie der hölzernen Faschen des Schulhauses aus dem 19. Jahrhundert. Der Zwilling erhielt zudem ein weiteres Vollgeschoss, das sich in den Dachraum öffnet. Ein gläserner Erschließungsbau mit zusätzlichen Treppen und einem Fahrstuhl verbindet beide Baukörper.
Ausgeführt wurde der ergänzende Trakt als Stahlbetonkonstruktion. V-förmig zulaufende Brettschichtholzelemente tragen das Dach, das mit Solarziegeln zur Eigenstromversorgung gedeckt ist. In einigen Räumen der Musikschule bleiben die Träger sichtbar, was der Architektur stellenweise einen überraschend expressiven Charakter gibt. Ansonsten prägen helle Oberflächen sowie Böden und Einbauten aus Holz die Innenräume. (sb)
- Fertigstellung:
- 2026
- Architektur:
- bez + kock architekten
- Projektteam:
- Iris Schulenberg, Gudrun Keller, Burcu Adak-Ufacik, Michael Onneken
- Örtliche Bauleitung:
- Ernst2 Architekten
- Landschaftsplanung:
- frei raum concept
- Weitere Planungsbeteiligte:
- wh-p Beratende Ingenieure (Tragwerksplanung), Ingenieurbüro Schwarz (Elektroplanung), ebök (HLS-Planung, Raumakustik, Bauphysik), Sinfiro (Brandschutz)
- Bauherrschaft:
- Stadt Rottenburg am Neckar
- Fläche:
- 5.000 m² Bruttogrundfläche
- Baukosten:
- 20.100.000 € brutto (KG 200-700)
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Der Dialog ist eröffnet.
Chapaeu
stellt eine große Herausforderung dar:
Einen Zwilling vorhandener Kubatur,
als Paar-Hälfte eigener Architektur,
doch geradezu zwangskontextualisiert,
direkt neben dem "Original" postiert...
Wer sich die Latte so hoch auflegt,
wird wissen, dass dies wohl Wellen schlägt,
und mag es den Einen auch stimmig und fein:
es werden nicht nur La Olas sein!
Ich bin ein wenig unentschlossen,
ob ich das Experiment genossen,
doch ich vermute, ich hätt´ es verflucht,
wenn ich zum x-ten Male versucht
hätte, Nachbar und Original zu versöhnen,
ohne der Gefahr, zu verhöhnen
einen von Beiden, aufzusitzen.
Das bringt einen doch wohl zwangsläufig ins Schwitzen!
Wie umgeh´n mit Farbe und Material?
Auf welche Plastizität trifft die Wahl?
Und wie kaschiert man den Wandel der Zeit:
die Stauchung der Geschossigkeit,
und dass, was früher "der Straße entrückt"
heut´ als "Barriere" niemand verzückt?
Ich will die Aspekte nun gar nicht bewerten,
doch angesichts dieser, die wohl beschwerten
das Finden der besten Lösungsoption,
erlaube ich mir dennoch schon
zu behaupten, man müsse schon Gründe aufweisen,
um durch dieses Experiment zu reisen.
Mir haben sie sich nicht erschlossen...
doch das Denken darüber, hab´ ich genossen.
Eine behutsame Einfügung und doch eigenständige Neuinterpretation.